Keine Erdgas-Engpässe in Deutschland

2009 sorgte ein Lieferboykott für Erdgas von Russland nach Europa mitten in der Heizperiode für Aufsehen. Millionen von Haushalten bangten um die Versorgungssicherheit ihrer Heizungen.

Die Sorge ist in Deutschland jedoch weitgehend unbegründet.

Zwischen 18,2 und 20 Millionen Haushalte vertrauen in der Heizperiode auf Erdgas. Mit Besorgnis werden diese Verbraucher im Januar 2009 den Streit über Erdgaslieferungen zwischen Russland und Ukraine verfolgt haben.

Diese Auseinandersetzung hatte zur Folge, dass über mehrere Wochen kein Erdgas nach Mitteleuropa transportiert werden konnte. In Bulgarien und Rumänien musste beispielsweise die Erdgasversorgung der Industrie zum Teil vollständig eingestellt werden.

Riesiges Reservoir an Erdgas-Speichern

In Deutschland dagegen herrschte zu 100 Prozent Versorgungssicherheit. Die Bundesrepublik konnte sogar mehreren Nachbarländern mit Erdgas aushelfen. Die komfortable Situation hat vornehmlich zwei Gründe:

Zum einen kann Deutschland auf ein riesiges Reservoir an unterirdischen Erdgasspeichern zurückgreifen, dem größten in der Europäischen Union. Insgesamt 47 Untertage-Erdgasspeicher können bis zu 20 Milliarden Kubikmeter Gas aufnehmen – etwa knapp ein Fünftel der jährlich bundesweit verbrauchten Erdgasmenge.

Lieferanten-Mix verringert Abhängigkeiten

Zum anderen halten die Versorger in Deutschland durch einen Lieferanten-Mix Abhängigkeiten möglichst in Grenzen. Russland liefert mit etwa einem Drittel den Löwenanteil des deutschen Jahresverbrauchs von Erdgas. Zwei Drittel kommen aus Westeuropa, vor allem aus den Niederlanden und Norwegen. Rund 13 Prozent bestreitet Deutschland aus eigenen Erdgas-Quellen.

Mit der geplanten Nabucco-Pipeline, eine Lieferverbindung über etwa 3.300 Kilometer von Mitteleuropa nach Zentral-Asien, will die EU die Abhängigkeit von Russland weiter verringern. Wann die Verbindung fertiggestellt werden kann, steht aufgrund der schwierigen, politischen Verhandlungen noch nicht fest.