Zu viel Wind: Stromreserve angezapft

Weil dieser Tage zu viel Windenergie entsteht, schaltet die Energiewirtschaft fossile Kraftwerke nicht ab, sondern an. Sie will so das Stromnetz entlasten und einen Blackout verhindern.

Erstmals in diesem Winter musste die Kaltreserve angezapft werden. Außer Betrieb befindliche Reservekraftwerke wurden am Dienstag hochgefahren, um Strom zu liefern. Sie sollen jedoch nicht einen Stromengpass ausgleichen – im Gegenteil: Für die nächsten Tage wird wegen einer starken Windfront eine besonders hohe Stromproduktion erwartet, etwa 24.000 Megawatt. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Leistung von 20 Atomkraftwerken.

Kaltreserve wegen zu viel Windstrom

Die Kaltreserve kommt nicht nur bei Strommangel zum Einsatz. Aktuell dient sie als Puffer. Wenn besonders viel Windstrom an einigen Punkten in das Netz drängt, müssen die Netzbetreiber diese Stromschwankung an anderen Punkten ausgleichen. Windkraftanlagen stehen vor allem in Nord- und Ostdeutschland, die Großabnehmer des Stroms befinden sich jedoch im Südwesten.

Kohle und Gas in Süddeutschland

Das Paradoxe an der Situation: Wegen des Überflusses an erneuerbarer Energie laufen in Süddeutschland Kohle- und Gaskraftwerke an. Sie sollen rund 2.500 Megawatt zusätzlich in das Netz einspeisen und die Stromschwemme aus Nordost kontern.

Erst am Sonntag hatte die Bundesnetzagentur bekannt gegeben, das deutsche Stromnetz sei insgesamt stabil und beherrschbar. Der Netzbetreiber 50Hertz meldete eine entspanntere Lage als 2012. Damals drohte nach Aussage des Netzbetreibers mehrfach der Blackout, also der Ausfall großer Teile des Stromnetzes.