Zeit für Erdgas

Mit dem Klimaschutzgesetz beginnt der langsame Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen. Erdgas bleibt aber weiter eine gute Lösung fürs Heizen.

Keine neuen Ölheizungen ab 2026 – diese oder ähnliche Schlagzeilen sorgten für reichlich Aufregung, als sich Mitte 2019 abzeichnete, was die Bundesregierung mit dem Klimapaket vorhat. Jetzt, da das Klimaschutzgesetz in Kraft ist, herrscht Klarheit: Tatsächlich rückt der Gesetzgeber Ölheizungen zu Leibe. Von einem Verbot indes kann keine Rede sein. Denn es gelten jede Menge Ausnahmen – etwa in Regionen, in denen es kein Erdgas gibt und wenn durch andere Heizsysteme unzumutbare Kosten entstehen.

Ganz unabhängig von der Frage, ob und unter welchen Bedingungen künftig noch mit Öl geheizt werden darf, sendet das Gesetz aber eine zentrale Botschaft: Das Ende von Heizöl als Energieträger ist absehbar. „Wir argumentieren schon seit unserem Bestehen mit den Umweltvorteilen von Erdgas“, erinnert sich Leonhard Schultes, Prokurist bei der EVA und seit jeher Ansprechpartner für all jene, die auf Erdgas wechseln möchten. Und weiß wichtige Fakten hinter sich. Etwa, dass kein fossiler Brennstoff weniger CO2 freisetzt. „Der Wechsel von Öl auf Gas spart aus dem Stand rund ein Viertel Kohlendioxid ein“, rechnet der Experte vor. „Und dabei sind die Effizienzvorteile, die eine moderne Heizung bietet, noch gar nicht berücksichtigt.“

Hier schlummert gleich noch einmal richtig CO2-Sparpotenzial. Denn in Deutschlands Heizungskellern herrscht Sanierungsstau. Mehr als die Hälfte der aktuell in Betrieb befindlichen Anlagen stammen von 1997 oder früher, sind also deutlich älter als 20 Jahre. Und immerhin rund zehn Prozent haben sogar drei Jahrzehnte oder mehr auf dem Buckel. „Wenn wir das Klima wirklich entlasten wollen, müssen wir genau hier den Hebel ansetzen“, gibt Leonhard Schultes zu bedenken. Denn Fakt ist: Noch entfallen rund 40 Prozent der hierzulande genutzten Primärenergie aufs Heizen. Mit überwiegend technisch längst überholten Anlagen. „Im direkten Vergleich mit einer 25 Jahre alten Anlage spart ein modernes Erdgas-Brennwertgerät schnell ein Drittel oder sogar mehr Brennstoff“, weiß Leonhard Schultes aus seiner langjährigen Erfahrung. Was die Modernisierung mit einem Wechsel zu Erdgas nicht nur aus Umweltschutzsicht sinnvoll macht, sondern in den allermeisten Fällen auch rein monetär betrachtet.

Günstige Lösungen

Trotz all seiner Vorteile bleibt Erdgas ein fossiler Brennstoff. Was bedeutet, dass die im Klimaschutzgesetz festgelegten Preise für CO2 künftig auch für Erdgas anfallen. „Diese zusätzlichen Kosten kann und möchte ich gar nicht wegdiskutieren“, schränkt Leonhard Schultes ein. „Aber sie ändern nichts daran, dass eine Erdgasheizung für viele das günstigste Gesamtpaket bleibt.“ Dies gilt vor allem für Systeme, die zusätzlich regenerative Energie nutzen. „Wenn es die Dachflächen hergeben, sind Solarthermieanlagen eine ideale Ergänzung zu einem Erdgas-Brennwertgerät“, verrät der Spezialist. Gerade hier im sonnenverwöhnten Alzenau bietet die wärmende Kraft vom Himmel ein großes, noch weitgehend ungenutztes Sparpotenzial. Richtig dimensioniert, kann sie nicht nur große Teile der Warmwasserbereitung übernehmen, sondern auch einen spürbaren Beitrag zur Raumheizung leisten. „Wer Platz für einen großen Wärmespeicher hat, kann viel in dieser Richtung bewegen“, ergänzt Leonhard Schultes.

Darüber hinaus hat Vater Staat mit dem Klimaschutzgesetz die Fördermöglichkeiten für eben diese sinnvolle Kombination großzügig erweitert. Ersetzt solch ein Hybridsystem aus Erdgas-Brennwertgerät und Solarthermieanlage eine Ölheizung, gibt es 40 Prozent Zuschuss. Voraussetzung ist, dass die Sonne mindestens 25 Prozent zur Raumheizung beiträgt. „Spätestens mit dieser Förderung rechnet sich der Umstiegt“, ist sich Leonhard Schultes sicher.

Die seit Jahrzehnten bewährte Kombination dürfte sich in der weit überwiegenden Zahl der Anwendungsfälle als nachhaltig günstigste Option herausstellen. Zumindest, wenn es darum geht, eine Heizung in einem bestehenden Gebäude zu modernisieren. Die hier häufig vorzufindenden Bedingungen machen den Betrieb der inzwischen gern als Alternative gehandelten Wärmepumpe zum finanziellen Vabanque-Spiel. Zwar locken vor allem Luft-Wasser-Wärmepumpen, also Anlagen, die ihre Energie aus der Luft gewinnen, durch vergleichsweise günstige Investitionen. Aber für einen wirtschaftlichen Betrieb benötigen sie üblicherweise gut gedämmte Gebäude, idealerweise mit Flächenheizungen. Bedingungen, die sich im Bestand nur mit großem Aufwand herstellen lassen. „Hier gilt es, sich im Vorfeld genau zu informieren und sich von einem unabhängigen Experten neben den nötigen Investitionen vor allem auch die zu erwartenden Betriebskosten detailliert durchrechnen zu lassen“, empfiehlt Leonhard Schultes.

Möglicherweise findet solch ein Spezialist bei seinen Kalkulationen auch heraus, dass ­einen andere Erdgasanwendung sinnvoller ist: etwa eine Brennstoffzellenheizung. Diese Geräte produzieren gleichzeitig Wärme und Strom, was sie besonders effizient macht. „Wenn Wärme- und Strombedarf passen, können Brennstoffzellenheizungen eine wirtschaftliche und ökologische Alternative sein“, ist sich Leonhard Schultes sicher.

Fazit: Erdgas ist eine umweltschonende, komfortable, günstige, noch viele Jahre tragfähige und sichere Lösung. Und darüber hinaus in den meisten Straßen Alzenaus und seiner Stadtteile verfügbar. Selbst wo bislang noch keine Erdgasrohre in der Straße liegen, besteht vielleicht die Möglichkeit, einen Hausanschluss zu bekommen. „Wir prüfen alle Anfragen und rechnen mit extrem spitzem Bleistift, um im Zweifel die Leitung doch noch die entscheidenden Meter zu verlängern und einem neuen Kunden zu einem Erdgashausanschluss zu verhelfen“, verspricht Leonhard Schultes.

Zum Titelbild: Kompakt, zuverlässig, günstig – Erdgas-Brennwertkessel überzeugen auf der ganzen Linie und bewähren sich seit vielen Jahren in Tausenden Heizungskellern.

Alte Ölheizung raus, neues Erdgas-Brennwertgerät rein. Wer dabei gleich noch auf Solarthermie setzt, kann 40 Prozent der Kosten als Förderung vom Staat in Anspruch nehmen. Wahrscheinlich war der Zeitpunkt für den Umstieg nie günstiger.

EKKEHARD WINKLER / Trurnit Verlag

Brücke in die Zukunft

Unter Experten gilt Erdgas als Brückentechnologie. Und das aus gutem Grund. Die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Infrastruktur lässt sich auch im Wasserstoffzeitalter weiternutzen. Um sich darauf vorzubereiten, verwendet die EVA schon heute ausschließlich H2-ready-Komponenten – also Bauteile, die für den Betrieb mit Wasserstoff zugelassen sind. Ein kürzlich erstelltes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass das Rohrnetz der EVA bereits die Anforderungen für das Durchleiten von Wasserstoff erfüllt.