Praxistauglich

Dr. Hans Strack fährt seit über einem Jahr ein Elektroauto. Und ist hochzufrieden damit. Im Interview erklärt er die Vorteile seines Renault Zoe im Alltag.

Wie sind sie auf die Idee gekommen, ein E-Auto anzuschaffen?

Dr. Hans Strack: Ganz einfach – sein Vorgänger war in die Jahre gekommen und wir brauchten Ersatz. Da haben wir uns nach den Alternativen umgesehen. Und weil ich als Wissenschaftler Neuem gegenüber aufgeschlossen bin, kamen auch E-Autos infrage. Als meine Frau und ich uns dann eingehender mit der Materie auseinandergesetzt und die jeweiligen Kosten bis ins Detail durchgerechnet haben, sprach immer mehr für den Renault Zoe.

Das heißt, das E-Auto war die günstigere Alternative?

Zumindest nicht die teurere. Der Zoe kostet in unserer Version mit der größeren Reichweite 20 400 Euro. Dazu kommt die bei Renault übliche Mietbatterie, die jährlich mit 840 Euro zu Buche schlägt. Auf 100 Kilometer brauchen wir realistisch 14 bis 15 Kilowattstunden, was beim aktuellen Strompreis von 28 Cent pro Kilowattstunde 4,20 Euro für 100 gefahrene Kilometer entspricht. Weil wir den Zoe als Zweitwagen nutzen, läuft er nur etwa 4500 Kilometer jährlich. Unsere Jahres-„Sprit“-Kosten belaufen sich also auf knapp 200 Euro und für die Werkstatt werden noch ungefähr 170 Euro fällig. Macht unter dem Strich rund 1200 Euro. Beim alten Benziner lagen die Treibstoffkosten bei 550 Euro. Plus 90 Euro Steuer, die beim E-Auto wegfällt, plus rund 500 Euro für Inspektion und Wartung. Wir kamen also auf ähnliche Beträge. Was die Entscheidung, etwas für die Umwelt zu tun, deutlich leichter gemacht hat. Obendrein wird das E-Fahrzeug mit jedem Kilometer günstiger. Da hieß es für uns: Runter mit den Scheuklappen und etwas Neues ausprobieren. Aber so neu ist das Ganze ja auch nicht mehr. Wer sich erkundigt, findet jede Menge positive Berichte.

Mal ans Eingemachte. Wie ist das mit der Reichweite? Genügen aktuelle E-Autos den Anforderungen in der Praxis?

Ja. In unserem Fall ohne jede Einschränkung. Wir haben den Akku bislang kein einziges Mal bis an seine Grenze gebracht. Auch nicht im Winter. Da kommen wir statt 300 zwar nur noch rund 200 Kilometer weit, aber im Zweitwagenbetrieb legen wir ohnehin nur kurze Strecken zurück. Beispielsweise zum Einkaufen oder als Shuttleservice für die Enkel. Das führt dazu, dass wir nur zwei- bis dreimal pro Monat nachladen müssen. Und das, obwohl der Zoe häufiger im Einsatz ist als der große Diesel.

Stichwort laden – gibt es nicht viel zu wenige Ladesäulen?

Nur mit öffentlichen Ladesäulen wäre es zugegebenermaßen schwierig. Ich werde mir zwar die Ladekarte von der EVA holen, um den Verbund nutzen zu können. Dennoch passiert das Gros der Ladevorgänge definitiv an unserer Wallbox. Wir haben uns für das schweizer Modell Juicebooster entschieden. Das Teil ist schön kompakt und ließe sich auch bequem mitnehmen. Weil wir nachts laden, brauchen wir kein leistungsstarkes Schnellladegerät mit Starkstromanschluss. Bei uns hängt der Juicebooster an einer ganz normalen Stromleitung mit 230 Volt und lädt mit 16 Ampere. Das funktioniert richtig gut.

Würden Sie jedem den Umstieg auf ein E-Auto empfehlen?

Wahrscheinlich nicht jedem, aber vielen. Haushalte, in denen sich die Fahrzeugnutzung ähnlich wie bei uns gestaltet, dürfte es Hunderttausende geben. Dazu kommen noch viele Pendler. Jeden Morgen von Alzenau nach Frankfurt und abends zurück – mit dem Zoe gar kein Problem. Da wäre dann anschließend zudem noch locker die Fahrt zum Sport oder ins Kino nach Aschaffenburg drin. Nachts an die Wallbox und morgens wieder los.Ich halte nichts von der Henne-oder-Ei-Diskussion, in der sich Autoindustrie und Politik die Schuld zuschieben und jeweils vom anderen fordern, die Basis zu legen. Die Technik funktioniert schon seit Jahren, und für die meisten auch im Alltag. Wir müssen einfach mal anfangen. Dass sich batteriebetriebene Autos letztlich als die universelle Lösung für alle Bedürfnisse durchsetzen, glaube ich persönlich nicht. Aber aus meiner Sicht taugen sie als sinnvoller Schritt auf dem Weg in eine neue Ära ohne fossile Brennstoffe. Vor allem Zweitwagenbesitzer mit eigener Garage können schon jetzt von einem E-Auto profitieren. Weil sie wegen der guten Lademöglichkeiten gar keine Probleme haben sollten. Allein in diesem Personenkreis ließen sich mehrere Millionen Autos verkaufen.

Klingt, als seien Sie wirklich von der E-Mobilität überzeugt …

Das bin ich. Selbst wenn noch vieles zu verbessern ist. Tatsächlich kritisiere auch ich die meisten, vor allem deutschen Autohersteller wegen ihrer Produktpolitik. Ich hätte gern ein deutsches Modell gekauft, aber es gab nichts Vergleichbares. Stattdessen laufen hierzulande Gefährte vom Band, die weit über 40 000 Euro kosten. Obwohl Renault, Nissan und ein paar andere beweisen, dass es auch deutlich günstiger geht. Ohne an der Qualität zu sparen. Der Zoe ist zudem von der Verarbeitung her voll konkurrenzfähig.

Haben Sie einen Tipp für angehende E-Autofahrer?

Beim Fahren selbst gelten die gleichen Regeln wie bisher: Ruhiges Fahren senkt den Verbrauch und erhöht damit die Reichweite. Und wer vorausschauend fährt, verstärkt diesen Effekt noch, weil E-Fahrzeuge beim Abbremsen Energie zurückgewinnen.

LADENETZ.DE

Die EVA gehört zum Verbund ladenetz.de und gibt entsprechende Ladekarten aus. Sie ermöglichen eine einfache und günstige Abrechnung an vielen Ladesäulen in ganz Deutschland.