Effizient zum Erfolg

Das Michelbacher Familienunternehmen Geli fertigt hochwertige Kunststoffprodukte für Hobbygärtner. Und das ressourcenschonend. Ein Porträt.

Wer von der Autobahn kommend an Alzenau vorbei Richtung Michelbach fährt, sieht auf der linken Seite kurz vor dem Ortseingang dunkelgrüne Fabrikgebäude. Genau hier entsteht ein Klassiker der deutschen Nachkriegs-Gartengeschichte: die Kunststoffgießkanne schlechthin. Sie war das erste Produkt, das die Firma Geli – eine einprägsame Kurzform für Gebrüder Lippert – seit 1961 aus dem seinerzeit hochmodernen Werkstoff herstellte. Inzwischen ist das Sortiment auf über 5000 Produkte angewachsen. „Eigentlich kommt alles, was wir herstellen, im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon zum Einsatz“, erklärt Thomas Lippert. Er und sein Cousin Günter führen den Familienbetrieb in der zweiten Generation. Und die dritte steht schon in den Startlöchern: Thomas Lipperts Kinder Nadine und Pascal arbeiten bereits voll im Unternehmen mit.

Geli ist mit weitem Abstand Marktführer bei den Kunststoffgießkannen. Das hat einen guten Grund: eine im Laufe der Jahre immer weiter optimierte Produktion. „Wir gehen seit jeher sehr bewusst mit Rohstoffen und Energie um“, verrät Thomas Lippert eines der Erfolgsgeheimnisse. Tatsächlich kommt schon seit rund 30 Jahren Recycling-Kunststoff aus Industrieabfall in die Blas- und Spritzgussmaschinen. „Darüber haben wir nur lange Zeit nicht gesprochen, weil recyceltes Material bis vor Kurzem und völlig zu unrecht verpönt war“, begründet der Geschäftsführer. Doch die Zeiten ändern sich. Heute wird Kunststoff zunehmend kritisch betrachtet. Was Geli sofort veranlasst hat, ihren Klassiker in einer Variante praktisch komplett aus wiederverwertetem Kunststoff herzustellen. „Bei dieser Gießkanne verwenden wir nicht nur Reste aus der Industrie wieder, sondern auch über 50 Prozent Post-Consumer-Material, also Kunststoffabfälle von Endverbrauchern“, führt er weiter aus.

Energie sparen

Als genauso nachhaltig erweist sich die Firmenphilosophie beim Umgang mit Energie. Das spiegelt sich auch darin wider, dass Geli ein zertifiziertes Energiemanagement betreibt. Das bedeutet, dass sich die Firma Sparziele setzt, die sie einhalten muss. Diese Ziele liegen bei 2,5 Prozent pro Jahr. „Bislang konnten wir unsere Vorgaben in jedem Jahr übertreffen, also mehr Energie einsparen, als wir uns vorgenommen haben“, freut sich Thomas Lippert. Für diese positive Entwicklung gibt es viele Einflussfaktoren. So tauscht Geli regelmäßig alte Maschinen mit Hydraulikbaugruppen gegen moderne vollelektrische Systeme aus. Zudem nutzt das Unternehmen Abwärme zum Heizen der Hallen. Sie entsteht quasi als Abfallprodukt bei der Bereitung von Kühlwasser, das durch die Blasformen strömt. Und mit der riesigen Photovoltaikanlage auf dem Dach des Logistikzentrums in Freigerich-Bernbach zeigen die Verantwortlichen bei Geli ein weiteres Mal, wie ernst sie das Thema Ökologie nehmen. „Im Grunde ­sichert uns diese konsequente Verbesserung der Energie- und Rohstoffeffizienz unsere Marktposition“, gibt Thomas Lippert zu bedenken. Tatsächlich kann sich Geli als eines der wenigen deutschen Unternehmen rühmen, hierzulande konkurrenzfähig Massenartikel aus Kunststoff herzustellen.

Felix Krumbholz Photography

Trotz weitgehender Automatisierung braucht Geli hoch qualifizierte Fachkräfte.

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In den neuen Blasanlagen läuft alles automatisch…

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…Etikettierung und Verpackung inklusive.

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Das Logistikzentrum in Freigericht-Bernbach verfügt über eine Solaranlage, die fast die ganze Dachfläche nutzt.

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In vier Hallen fertigt Geli Gartenartikel aus Kunststoff. Dabei kommen zwei Techniken zum Einsatz: der Spritzguss und das Blasverfahren.

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Weil sich Geli­Produkte hauptsächlich in vier Monaten verkaufen, unterhält das Unternehmen riesige Lager.

Bei Geli wird in der Produktion in drei Schichten gearbeitet. Auch das dient der Effizienz. Denn um Kunststoffe in Form zu bringen, braucht es Wärme. Das gilt sowohl für den Spritzguss als auch für das Blasverfahren. „Wir bräuchten viel zu viel Energie, wenn wir die Maschinen jeden Tag auskühlen lassen würden“, rechnet Thomas Lippert vor.

Und an noch einer anderen Stelle achtet man bei Geli auf Effizienz: beim Thema Lagerraum und Logistik. Tatsächlich spielt dieser Aspekt bei der Entwicklung jedes Produkts eine extrem wichtige Rolle. „Natürlich legen wir größten Wert auf Funktion und Optik“, erklärt Thomas Lippert. „Aber unsere Konstrukteure achten zudem immer darauf, dass sich die Produkte möglichst gut stapeln lassen.“ Das hat natürlich positive Auswirkungen auf den Transport. Denn was weniger Raum im Lager benötigt, braucht auch weniger Platz auf dem Lkw.

Saisongeschäft

Insgesamt hat Geli bereits mehr als 110 Millionen ihrer bewährten Kunststoffgießkannen verkauft – im bislang besten Jahr allein rund vier Millionen Stück. Üblicherweise liegt die Produktion etwas darunter. Was aber ein grundsätzliches Problem nicht wirklich entschärft: 70 bis 80 Prozent der Gießkannen, Blumentöpfe, Untersetzer, Kübel, Körbe, Pflanzschalen, Balkonkästen oder Sprüher gehen zwischen März und Juli über die Theke.

„Wir können nicht so schnell produzieren, wie die Baumärkte und andere Händler Ware in der Saison nachordern“, erzählt der Geschäftsführer. Deshalb, und um die Maschinen und die Belegschaft das ganze Jahr über gleichmäßig auszulasten, unterhält Geli riesige Lager auf dem Werksgelände in Michelbach, in Freigericht-Bernbach und in Freigericht-Somborn – mit insgesamt über 28 000 Quadratmeter Fläche. Von hier aus gelangen die Artikel dann mit­hilfe einer Partnerspedition in den Handel. Von einem Tag auf den anderen.

Geli beschäftigt aktuell mehr als 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Mehrheit ist hoch qualifiziert, vor allem in der Produktion und im zugehörigen Werkzeugbau. Um den eigenen Nachwuchs an Fachkräften zu sichern, bildet Geli junge Menschen zu Verfahrensmechanikern für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Fachrichtung Formteile, aus.

Übrigens: Angefangen hat die Alzenauer Erfolgsstory 1949 in einer Garage in Kälberau. Als Flüchtlinge aus der ehemals sowjetisch besetzten Zone fertigten die Väter der beiden heutigen Geschäftsführer mit einem Startkapital von gerade einmal 600 D-Mark Gebrauchsgegenstände aus Blech, unter anderem Gießkannen. Die verkauften sich so gut, dass die Brüder schon ein Jahr später eine ehemalige Zigarrenfabrik in Michelbach anmieten konnten, um die Produktion zu erweitern. Und schon 1953 entstand das erste Werk am aktuellen Standort in Michelbach. Als Reminiszenz an die Ursprünge fertigt Geli heute eine Kunststoffgießkanne in der Originalform von 1950. Und die funktioniert heute noch so gut wie damals …